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Maduros «magische Formel» gegen das Elend in Venezuela funktioniert nicht
Venezuelas Währungsreform ist nach weniger als einer Woche gescheitert. Die Regierung reagiert mit Verhaftungen.
Die Bevölkerung hungert und stirbt wegen fehlender Medikamente an einfach zu behandelnden Krankheiten. (Bild: Miguel Gutiérrez / EPA)
bis dieser am Dienstag zwei nagelneue Noten von fünf Bolivar Soberano ausspuckte. Umgerechnet 16 Dollar-Cent. Es war der Maximalbetrag. Mehr durfte Martínez nicht abheben. Bitcoin In Euro Tauschen , bis dieser am Dienstag zwei nagelneue Noten von fünf Bolivar Soberano ausspuckte. Umgerechnet 16 Dollar-Cent. Es war der Maximalbetrag. Mehr durfte Martínez nicht abheben.
Eine Währungsreform hätte Venezuela aus der Wirtschaftskrise führen sollen, darf aber bereits wenige Tage danach als gescheitert gelten. Gerade mal sieben Bolivar Soberano hat diese Frau am Automaten abheben können. (Bild: Carlos Garcia Rawlins / Reuters)
Mehr leisten können sich die Venezolaner mit der neuen Währung nicht. Vor einem Markt in Caracas bildet sich eine lange Schlange. (Bild: Christian Hernandes / EPA)
Ein Polizist kontrolliert in einem Supermarkt, ob die neuen Preisschilder den Vorgaben der Regierung entsprechen. (Bild: Christian Hernandes / EPA)
Glücklich darf sich schätzen, wer sich wenigstens das Nötigste kaufen kann. (Bilder: Marco Bello / Reuters)
Der Unterschied zu vorher ist vor allem kosmetischer Natur: Statt 6 Millionen Bolívar kosten die Peperoni neu 60 Bolívar Soberano. (Bild: Marco Bello / Reuters)
In den Wochen und Monaten davor hatte die Entwertung absurde Ausmasse angenommen. Zuletzt kostete ein Kilogramm Tomaten fünf Millionen Bolivar. (Bild: Carlos Garcia Rawlins / Reuters)
Ein noch grösserer Packen war für ein Hühnchen vonnöten, das 14,6 Millionen Bolívar kostete. (Bild: Carlos Garcia Rawlins / Reuters)
Da konnten die wertlosen Banknoten gleich entsorgt worden. (Bild: Marco Bello / Reuters)
Oder die Noten blieben unbeachtet am Boden liegen, nachdem Demonstranten sie aus Wut gegen die Sicherheitskräfte geschleudert hatten. (Bild: Marco Bello / Reuters) Bitcoin In Euro Tauschen
Die neue Währung ändert in Venezuela nichts an der Not
Zuvor hatte die Regierung fünf Nullen gestrichen. Mit dem neuen «souveränen Bolivar» soll die Zeit der Hyperinflation vorbei sein. Er ist gekoppelt an die von Venezuela selbst erschaffene Kryptowährung Petro, die wiederum mit den Ölreserven des Karibiklandes abgesichert sein soll. Wie das funktionieren soll, erklärt Präsident Nicolás Maduro nicht. Der Linksdiktator verspricht nur, er habe die «magische Formel» gefunden, um die Wirtschaftskrise zu beenden. «Glaubt mir, der Plan wird funktionieren.»
Als der Journalist Martínez mit den neuen Banknoten einen Kaffee und ein Teilchen in einer der wenigen geöffneten Bäckereien bezahlen wollte, kostete das 70 Bolivar, also rund einen Dollar – sieben Mal so viel wie der Höchstbetrag, den er hatte abheben können. Da war ihm klar, dass auch diese Reform scheitern würde – wie die anderen zwei zuvor in elf Jahren.
Seine Prognose stimmte. Nur drei Tage später ist die Reform verpufft: 40% verlor der neue Bolivar bereits in den ersten drei Handelstagen gegenüber dem Dollar auf dem Schwarzmarkt. Die Hyperinflation geht also ungebremst weiter. Bald dürfte der Währungszerfall die Eine-Million-Prozent-Marke reissen, schätzt der Internationale Währungsfonds (IMF). Der Preis für einen Milchkaffee in einer Bäckerei in der Ostzone von Caracas ist in zwölf Monaten um 109 000 Prozent gestiegen, obwohl er staatlich kontrolliert wird. Das zeigt der «Café-con-Leche-Index», mit dem die Finanzagentur Bloomberg die tägliche Inflation in Venezuela misst.
Mit der Währungsreform sind zwar keine Kilogramme an Geldscheinen mehr nötig, um einen Kaffee oder eine Pizza zu bezahlen. Aber das ist auch schon alles – und dürfte nur von kurzer Dauer sein. Es gibt keinen Grund, warum der neue Bolivar stabiler sein sollte als der alte. Denn die Regierung finanziert das hohe Haushaltsdefizit, welches laut dem IMF Ende des Jahres 30% der Wirtschaftsleistung betragen wird, mit der Notenpresse.
Mit dem rapide an Wert verlierenden Bolivar werden Importe zu teuer. So führt das einstmals reiche Karibikland heutzutage kaum noch Geflügel oder Maismehl aus Brasilien ein. Und die Bevölkerung hungert und stirbt wegen fehlender Medikamente an einfach zu behandelnden Krankheiten. Statt der Lebensmittel importiert Venezuela monetäre Stopfmasse. Banknoten und Geldpapier sind zu den wichtigsten Importgütern Venezuelas geworden. Allein aus Brasilien liess die Zentralbank Venezuelas in diesem Jahr 110 Tonnen Banknoten und 329 Tonnen an unbedrucktem Notenpapier einfliegen.
Eine Inflation von 1 Million Prozent – über Venezuela weht ein Hauch von Weimar
Andere Finanzierungsquellen Venezuelas sind verstopft: Die Ölproduktion ist zusammengebrochen und schrumpft bald auf 700 000 Fass am Tag, wie die Internationale Energieagentur prognostiziert. Das ist ein Drittel des Ertrags von vor zweieinhalb Jahren. Ausländische Banken und Investoren leihen Venezuela kein Geld mehr, seit die USA das Land wegen der Menschenrechtsverletzungen und Demokratiemängel auf den Index gesetzt haben und die Anleihen auf Ramschstatus stehen, weil das Land sie nicht mehr bedient.
Mit der Währungsreform und den daran gekoppelten Dekreten für die Wirtschaft wird Maduro die Krise weiter verschärfen. Er erhöhte den Mindestlohn um 3200% – was den wenigen noch übrig gebliebenen Kleinunternehmen endgültig das Genick brechen wird. Um knapp 60% ist die Wirtschaft in den vergangenen sechs Jahren geschrumpft. 18% werden es dieses Jahr sein, schätzt der IMF.

Die Regierung schickte diese Woche Polizisten in die Geschäfte und liess die Ladenbesitzer – live übertragen im Fernsehen – wegen angeblicher Wucherpreise verhaften. «Die Unternehmer werden nur lernen, wenn sie hinter Gittern sitzen», droht Diosdado Cabello, Bitcoin In Euro Tauschen , in seiner täglichen Fernsehshow – in Kampfuniform und mit einem Knüppel in der Hand.
Hunger, gefälschte Wahlen, Polizeigewalt: Immer mehr Venezolaner stimmen mit den Füssen ab und fliehen. Nach Angaben der Uno haben 2,3 Mio. Venezolaner das Land bereits verlassen – das sind etwa so viele wie diejenigen, die aus Afghanistan oder dem Südsudan geflohen sind. Nur Syrien hat weltweit mehr Flüchtlinge. Die Venezolaner flüchten vor allem nach Kolumbien, aber auch nach Ecuador, Peru, Brasilien und selbst ins entfernte Chile. Überall in Südamerika hört man heute das weiche karibische Spanisch der Venezolaner mit dem verschluckten «S».
Maduro spielen die Millionen Exil-Venezolaner sogar in die Hände. Der Grund: Sie werden mit ihren Überweisungen an zurückgelassene Familienmitglieder zu den wichtigsten Financiers des Regimes. Flink hat die Regierung fast unbemerkt erstmals den Besitz und Tausch von Dollars legalisiert. So profitiert sie auch noch von den Wechselgeschäften, während sich am Elend der Bevölkerung nichts ändert. Journalist Martínez sieht die Lage realistisch: «Wir sind das Simbabwe Lateinamerikas geworden.»
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